2. November 2026 · Franz Huemer

Apples Passwörter-App. Genug für den Alltag, nicht für alles.

Die meisten Passwörter tippe ich nicht mehr. Das Telefon schlägt sie vor, füllt sie aus und merkt sich, welches wo gilt. Seit iOS 18 und macOS Sequoia gehört dazu eine eigene App, die Passwörter-App. Davor steckte das meiste in den Einstellungen und in Safari.

Mit iOS 27 und macOS 27 ist sie zwei Jahre alt. Zeit nachzusehen, was sie heute kann.

Ein Schlüsselbund neben einem geschlossenen Notebook und einem Smartphone auf einem hellen Holztisch

Was die App ist

Apple beschreibt auf der Support-Seite zur Passwörter-App, dass sie Passwörter, Passkeys, WLAN-Passwörter und Bestätigungscodes an einem Ort zeigt. Sie gibt es ab iOS 18, iPadOS 18, macOS Sequoia und visionOS 2. Die Daten liegen im iCloud-Schlüsselbund und sind auf allen Geräten verfügbar, die damit verbunden sind. Die App ist die Oberfläche dazu, nicht ein zweiter Speicher.

Wer das automatische Ausfüllen nutzen will, schaltet es in den Einstellungen unter „Allgemein“ und „Autom. ausfüllen & Passwörter“ ein. Neue Accounts bekommen dann ein starkes Passwort vorgeschlagen, das ich mir nicht merken muss. Entsperrt wird mit Face ID, Touch ID oder dem Gerätecode. Ein eigenes Master-Passwort gibt es nicht, wie Ricky Mondello von Apple auf seinem privaten Blog festhält. Er schreibt dort ausdrücklich nur für sich.

Auf iPhone, iPad, Mac und unter Windows

Auf iPhone, iPad und Mac ist die App einfach da. Auf dem Mac läuft Autofill in Browsern außer Safari über eine Erweiterung, die man im Web Store des Browsers findet.

Unter Windows geht es über iCloud für Windows. Dort gibt es eine eigene Passwörter-App und eine Erweiterung für Chrome, Edge und Firefox. Voraussetzung ist die Zwei-Faktor-Authentifizierung für den Apple Account. Außerdem muss der erweiterte Datenschutz für iCloud aktiv sein, oder ein Apple-Gerät mit iOS 14, iPadOS 14, macOS 11 oder neuer ist in Bluetooth-Reichweite. Aktiviert man die Erweiterung, schaltet Apple die Passwortfunktion des Browsers ab. Die Erweiterung im Chrome Web Store steht bei 2,6 von 5 Sternen, aus rund 2.700 Bewertungen, zuletzt am 29. September 2026 aktualisiert. Das sagt nichts über die Technik. Als Hinweis taugt es, dass ich mir die Windows-Seite vor einem Umstieg ansehen würde.

Passkeys, WLAN und Bestätigungscodes

Passkeys sollen Passwörter ersetzen. Apple erklärt sie so: Sie werden vom eigenen Gerät für jeden Account einzeln erzeugt, sind weniger anfällig für Phishing und liegen verschlüsselt im iCloud-Schlüsselbund, für niemanden sichtbar, auch nicht für Apple. Dafür müssen der iCloud-Schlüsselbund und die Zwei-Faktor-Authentifizierung aktiv sein. Zu einem Account kann ein Passwort und ein Passkey gehören. Beides steht unter demselben Eintrag.

Die WLAN-Passwörter liegen ebenfalls in der App. Ich kann sie von dort mit Freunden und Familie teilen, ohne das Passwort auszusprechen.

Bestätigungscodes für die Zwei-Faktor-Anmeldung kann die App ebenfalls selbst erzeugen. Entweder scannt man den QR-Code der Website mit der iPhone-Kamera, oder man gibt den Konfigurationsschlüssel von Hand ein: Passwörter, „Alle“, Account, „Bearbeiten“, „Code einrichten“. Beim Anmelden erscheint der Code als Vorschlag über der Tastatur. Auf Wunsch löscht das System ihn nach dem Einsetzen.

Was die App über meine Passwörter sagt

Die App markiert schwache, mehrfach verwendete und kompromittierte Passwörter im Bereich „Sicherheit“. In der Dokumentation zur Plattformsicherheit nennt Apple, was als schwach gilt: Wörter aus dem Wörterbuch, gängige Ersetzungen wie „p4ssw0rt“, Tastaturmuster wie „q12we34r“, Wiederholungen wie „123123“. Bei vier- und sechsstelligen PINs gelten die häufigsten Codes, aufsteigende Ziffernfolgen und Wiederholungsmuster als schwach.

Kompromittiert heißt: Die Funktion zur Passwortüberwachung kann belegen, dass es in einem Datenleck aufgetaucht ist. Das lässt sich in den Einstellungen unter „Apps“ und „Passwörter“ mit „Kompromittierte Passwörter erkennen“ ein- oder ausschalten.

Ändern muss ich das Passwort dann selbst: Account antippen, „Passwort ändern“, und auf der Website oder in der App den Wechsel durchführen. Apple hat für iOS 27 angekündigt, dass die App das für mich erledigen kann, Passwörter reparieren mit einem Tipp. Die Funktion wurde vor dem Start am 14. September aus iOS 27 genommen. Auf apple.com steht sie weiter, mit dem Vermerk, dass sie in einem künftigen Software-Update kommt, ohne Datum. Auch iOS 27.2 vom 26. Oktober hat es laut Macworld nicht gebracht.

Teilen mit der Familie

Mit einer geteilten Gruppe teile ich Passwörter, Passkeys und „Mit Apple anmelden“-Zugänge mit Familie und vertrauten Kontakten. Wer ein Passwort in der Gruppe ändert, ändert es für alle. Hinzufügen können alle Mitglieder. Mitglieder entfernen oder die Gruppe löschen kann nur, wer sie angelegt hat.

Die Personen müssen in meinen Kontakten stehen und iOS 17, iPadOS 17 oder macOS 14 oder neuer nutzen. Für „Mit Apple anmelden“-Zugänge braucht es iOS 18 oder macOS 15. Ein Eintrag kann nur in einer einzigen Gruppe liegen, so steht es in der Mac-Anleitung. Und Apple sagt klar: Einladungen von Unbekannten nicht annehmen.

Für einzelne Einträge gibt es AirDrop. Der Haken ist menschlich: Jede Person in der Gruppe kann ändern, was geteilt wird.

Von einem anderen Passwortmanager wechseln

Es gibt zwei Wege. Der alte ist eine CSV-Datei. Auf dem Mac heißt der Befehl „Ablage“ und „Passwörter aus einer Datei importieren“. Die importierten Passwörter ersetzen vorhandene nicht, und was nicht ging, kann man sich ansehen. Auf dem iPhone liegt der CSV-Import ungewöhnlicherweise bei Safari: Einstellungen, „Apps“, „Safari“, „Importieren“. Apple warnt dabei, dass die Datei nicht verschlüsselt ist und von allen gelesen werden kann, die Zugriff haben. Nach dem Import löschen.

Der neue Weg gilt seit iOS 26 und macOS 26. Apple beschreibt ihn als direkte Übertragung zwischen zwei Apps, geschützt mit Face ID, ohne Datei auf der Platte. Laut Ricky Mondello unterstützen das neben Apples App auch 1Password, Bitwarden, Dashlane, DuckDuckGo und Devolutions. Beim Export aus 1Password am iPhone kamen Passwörter, Passkeys, Bestätigungscodes und Notizen mit. Auf dem Mac haben nicht alle Anbieter es umgesetzt. Ob mein bisheriger Anbieter dabei ist, muss ich also in seiner App nachsehen, nicht bei Apple.

Raus geht es auch: auf dem Mac als CSV-Datei, unverschlüsselt, danach löschen.

Was ich daraus mache

Die App ist für mich der richtige Standard, wenn der Alltag aus iPhone, iPad und Mac besteht. Passwörter, Passkeys, WLAN und Codes an einem Ort. Dazu die Sicherheitsliste, ein Passwortverlauf und die geteilten Gruppen für die Familie.

Grenzen gibt es genug. Eigene Felder kennt die App laut Mondello nicht, nur ein Notizfeld je Eintrag. Das Master-Passwort fehlt. Wer ein eigenes Master-Passwort als zusätzlichen Schutz sieht, empfindet das als Mangel. Für mich ist es die Entscheidung für Face ID und Gerätecode. Unter Windows ist es ein Umweg über iCloud und eine Erweiterung. Und das Reparieren per Tipp, das Apple groß ankündigt, gibt es noch nicht.

Wer ohnehin mit Apple-Geräten lebt und noch Passwörter in Notizen oder Browser-Listen hat, sollte die App zumindest öffnen. Wer einen anderen Manager nutzt, muss nicht sofort wechseln. Mondello rät, den alten Zugang als Sicherheitsnetz zu behalten, bis der neue sich bewährt hat. Das klingt vernünftig. Mein Tipp wäre dasselbe: erst importieren, dann prüfen, die Exportdatei löschen und den alten Zugang noch eine Weile behalten.