22. Oktober 2026 · Franz Huemer

Safari auf dem Mac. Die bessere Erfahrung, nicht der klare Sieg.

Mitte Oktober hat Apple die Seite Stay on Safari aufgemacht. Der Satz darauf ist groß: Safari sei der mächtigere und privatere Browser, mit bis zu fünf Stunden mehr Videostreaming als Chrome und bis zu 35 Prozent schnelleren Ladezeiten bei Seiten, die man oft besucht. Auf apple.com/safari steht dazu noch, Safari sei der schnellste Browser der Welt.

Ich surfe auf dem Mac mit Safari, und ich bleibe dabei. Nicht, weil jede dieser Zahlen ein Rennen entscheidet.

Offenes Notebook am Fenster, im Browser eine Berglandschaft

Was Apple gemessen hat

Die fünf Stunden und die 35 Prozent stammen aus Apples eigenen Tests im August 2026. Die Fußnote, wie sie Notebookcheck, TechSpot und andere wiedergeben: ein 15-Zoll-MacBook Air mit M5, 16 GB gemeinsamer Speicher, 512 GB SSD, eine Vorabversion von macOS 27 Golden Gate, Safari 27.0 gegen Chrome 151. Das Video lief in 1080p, der Rechner am Akku. Die Ladezeiten sind Momentaufnahmen von zwölf häufig besuchten Seiten unter simulierten Netzbedingungen, nicht das ganze Web.

Apple schreibt auf derselben Leistungsseite auch von bis zu 18 Stunden Videostreaming. Und davon, dass Safari im Schnitt höher lag als Firefox, Chrome und Edge bei JetStream 3.0, MotionMark 1.3.2 und Speedometer 3.1. „Der schnellste Browser der Welt“ ist dieser Durchschnitt, über Mac, iPad, iPhone und zum Teil auch Windows und Android. Eine Tabelle mit den Rohwerten, die man nachrechnen könnte, legt Apple nicht dazu.

Fünf Stunden mehr gelten für Video, nicht für einen Arbeitstag aus Docs, Mail und zehn Tabs. Zwölf Seiten sind zwölf Seiten.

Was andere im selben Jahr gemessen haben

Die ausführlichste öffentliche Gegenprobe, die ich gefunden habe, stammt von Magic Lasso, einem Anbieter von Werbeblockern für Safari. Gemessen am 8. Januar 2026 auf einem 15-Zoll-MacBook Air mit M2, 16 GB und 512 GB, macOS Tahoe 26.2. Safari 26.2, Chrome 143, Edge 143, Firefox 146, jeweils drei Durchläufe, der Schnitt zählt.

Bei Speedometer 3.1, das das Bedienen einer Web-App nachstellt, lag Chrome mit 42,7 knapp vor Safari mit 41,9. Edge 40,8, Firefox 35,7. Bei JetStream 2.2, JavaScript und WebAssembly, drehte sich das: Safari 436,8, Chrome 419,2, Edge 413,3, Firefox 270,9. Der klare Abstand ist MotionMark 1.3.1, die Grafik. Safari 8.088,73 gegen Chrome 6.582,95, rund 23 Prozent. Edge 6.003,25, Firefox 1.497,44.

Dieselbe Messreihe hat den Energieverbrauch über die Aktivitätsanzeige mitgeschrieben, zwölf Stunden, niedriger ist besser. Edge 3.236,83, Chrome 3.593,27, Firefox 3.639,51, Safari 4.271,39. Unter genau dieser Benchmark-Last war Safari der durstigste der vier. Edge lag etwa ein Viertel darunter. Das ist kein Akku-Leerlauf mit einem Film. Es ist die Last der Tests selbst. Magic Lasso verkauft ein Produkt für Safari. Die Versionen und das Gerät stehen trotzdem da, und die Zahlen sprechen nicht einseitig für Safari.

Im Juni hat Google auf dem Chromium-Blog eigene Rekorde gemeldet. Speedometer 3.1 mit 61, fünf Prozent über dem eigenen Wert von vor einem Jahr, und JetStream 3 mit 469, zehn Prozent über dem Stand von Anfang 2026. Gemessen auf einem MacBook Pro mit M5 und macOS 26.0.1. Welche M5-Stufe, steht dort nicht. Den Rekord beansprucht Google auch vor Safari, legt die Vergleichswerte aber nicht daneben. Die 61 und die 41,9 von Magic Lasso kommen von anderen Rechnern. Gegeneinander rechnen lassen sie sich nicht.

Älter, und deshalb nur als Gegenbeispiel: Im September 2024 hat Matt Birchler Chrome 128 gegen Safari 17.6 auf einem 14-Zoll-MacBook Pro mit M2 Pro und 16 GB laufen lassen. YouTube, soziale Netze, Nachrichten, Google Docs, sechs Sitzungen zu drei Stunden je Browser, Helligkeit um 30 Prozent. Im Schnitt gingen pro Sitzung 18,67 Prozent Akku mit Safari und 17,33 Prozent mit Chrome drauf. Chrome lag in fünf von sechs Läufen vorn. Birchler schreibt selbst, dass eine andere Last das umdrehen kann. Das ist nicht macOS 27, und es ist nicht Apples Videotest.

Was auf dem Mac trotzdem für Safari spricht

Die Punktzahlen sind 2026 ein knappes Rennen. Die Erfahrung auf dem Mac ist etwas anderes, und die hängt nicht an Speedometer.

Safari sitzt im System. Auf der Safari-Seite beschreibt Apple, was ich im Alltag meine. Handoff nimmt den offenen Tab mit aufs iPhone und wieder zurück. Der iCloud-Schlüsselbund hält Benutzernamen, Passkeys, Passwörter und Karten auf den Geräten, denen ich vertraue. Bezahlen im Browser geht über Apple Pay, auf dem MacBook mit Touch ID. Das sind keine Benchmarks. Das ist der Unterschied zwischen einem Fenster, das zum Rechner gehört, und einem, das ich extra mitnehme.

Beim Datenschutz in den Voreinstellungen ist der Abstand größer als bei der Geschwindigkeit. Intelligent Tracking Prevention läuft auf dem Gerät und soll bekannte Tracker daran hindern, die IP-Adresse zum Profilieren zu benutzen. In der Prüfliste von Magic Lasso blockieren Safari und Firefox Tracker und Drittanbieter-Cookies von selbst und bringen einen Schutz gegen Fingerprinting mit. Chrome hatte dort keinen der abgefragten Punkte an. Die Standardsuche ist bei Safari trotzdem Google. Privat heißt hier nicht, dass nichts nach außen geht.

Wer den halben Tag an einem Windows-Rechner oder einem Android-Telefon sitzt, hat mit Chrome den einfacheren Weg. Erweiterungen, Profile, Seiten, die stillschweigend Chromium voraussetzen. In derselben Wertung zu Webstandards liegt Safari bei Interop 2025 mit 98 Punkten vor Chrome mit 94, in der breiteren caniuse-Zählung aber dahinter. Zusammengerechnet: Chrome 532, Edge 530, Safari 512, Firefox 507. Manche Seiten merkt man das.

Was ich daraus mache

Ich wechsle nicht wegen 0,8 Punkten bei Speedometer, und ich würde auch nicht wechseln, wenn Apple die fünf Stunden auf jede Aufgabe geschrieben hätte. Die stehen dort nicht. Sie stehen beim Video, auf einem bestimmten MacBook Air, mit Vorabsoftware.

Auf meinem Mac bleibt Safari, weil der Browser zum Rest gehört. Weniger Tracker, bevor ich etwas einstelle. Tabs und Passwörter, die dem iPhone folgen. Ein Akku, der beim Film nicht so tut, als wäre der Browser ein zweites Betriebssystem. Chrome ist schnell, manchmal schneller, und an einem anderen Schreibtisch oft die praktischere Wahl. Die bessere Erfahrung auf dem Mac ist für mich trotzdem Safari. Nicht als Sieg in jeder Tabelle. Als der Browser, den ich nicht extra mitdenken muss.